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Geschichte

Orts und Baugeschichte unseres                                       Gotteshauses

Die Geschichte von Riezlern beginnt mit dem Zuzug einiger aus dem Gebiet des Kanton Wallis ausgewandeter Bauernfamilien. In der großen Flucht vom Tannberg kamen sie um 1300 nach Riezlern. Sie nannten ihre Siedlung “Zu den Rützlern”, woraus die jetzige Ortsbezeichnung entstand. Vorher hatte das Tal den Bischöfen von Augsburg bzw. den “Edlen von Rettenberg” als Jagdgebiet gedient.

Eine in der Vorhalle der jetzigen Pfarrkirche ersichtliche Jahreszahl, gemeißelt in Stein, erinnert an die 1471 erbaute Kirche. Dabei handelte es sich jedoch nicht um das erste Gotteshaus. Vielmehr wurde diese Kirche in südöstlicher Richtung neben einem schon vorhandenen Turm erbaut, der im Untergeschoß sehr massiv war und nach Art der Chorturmkirchen ein, an drei Seiten mit Nischen versehenes, Kreuzgewölbe aufwies. Am 13. August 1493 wurde das im gotischen Stil errichtete Kirchlein zu Ehren der “Himmelkunigin” (Maria Opferung) vom Augsburger Weihbischof Johannes Kerer konsekriert, zusammen mit dem neu errichteten Friedhof. Bald darauf hielt der erste Seelsorger, noch Expositus der Pfarrei Oberstdorf, hier Einzug. Damit wurde Riezlern der Diözese Augsburg einverleibt, während die anderen Dörfer des Tales zur Diözese Konstanz geschlagen wurden. Im Jahre 1508 wurde Riezlern von Oberstdorf unabhängig und selbstständige Pfarrei.

Die erste große bauliche Veränderung der Pfarrkirche erfolgt im Jahre 1684. Die Kirche wurde verlängert und barockisiert. Eine neuerliche Verlängerung um 7 m erfolgte im Jahre 1720 unter tatkräftiger Hilfe der neu eingepfarrten Parzellen Schwende, Egg und Zwerwald. Am 16. September 1734 wurde ein neu errichteter Kreuzweg eingeweiht, 1749 erhielt die Kirche einen Partikel des heiligen Kreuzes, der aus dem Besitz von Mathias Jeger stammte. Der barocke Hochaltar dieser Kirche mit der Jahreszahl 1706 kam 1841 in die Armenhauskapelle in Mittelberg und steht nun als Hochaltar in der Pfarrkirche Mittelberg. der 1841 angeschaffte, neue und viel höhere Barockaltar befindet sich jetzt als besondere Sehenswürdigkeit ind der Kirche von Ebnit / Dornbirn.

Im Jahre 1815 erhielt die Kirche ihre erste Orgel mit vier Registern, 1841/42 zwei nicht mehr vorhandene klassizistische Seitenaltäre. Der Turm hatte bis 1844 ein Satteldach - ein Beweis für sein hohes Alter.1844 wurde der Turm um 6 m erhöht und darauf eine flache Kuppel gesetzt, die von einem gekuppelten Türmchen überragt wurde.

Die wiederholten Um- und Anbauten hatten die Kirche verunstaltet. Durch ihr Alter war sie ziemlich baufällig geworden. In einer Volksabstimmung, im Mai 1882, wurde ein Neubau beschlossen. Am 30. Juni 1889 wurde mit der Arbeit begonnen die Kirchenmauern und der Turm wurden gesprengt.

Der Neubau fällt in die Jahre 1890 und 1891. Der Entwurf stammt von dem Architekten Jahann Mayer in Luzern; zugrundegelegt wurde dabei der Plan der Kirche von Thal. Die Ausführung wurde dem Baumeister Wilhelm Hagspiel von Oberstdorf übertragen. Die Stukkaturarbeiten und die Tünchung besorgte Alois Studer aus Fontanella, die Fenster kamen von Friedrich Berbeck - Zürich, die Orgel von Anton Behmann - Schwarzach. Den Bodenbelag mit “Mettlacher Steinplatten” lieferte die Münchner Firma L. Nachfolger. Am 19. November 1891 konnte die Kirche durch den Ortspfarrer Dressel benediziert und am 12. Juni 1894 durch Generalvikar Dr. Johannes Zobl von Feldkirch eingeweiht werden.

Renovierungen

Die ersten umfangreichen Renovierungsarbeiten an dieser Kirche begannen im Herbst 1968. Neueindeckung des Kirchenschiffes und Anbringung eines neuen Verputzes durch die Baufirma Riedmann - Riezlern, Neuanstrich von Kirche und Turm durch Hans Riezler - Riezlern. Die Restaurierungsarbeiten im Inneren der Kirche wurden in den Jahren 1975/76 unter der Leitung des Restaurators Kurt Scheel aus Feldkirch durchgeführt. Dabei wurden auch die Kirchenfenster durch die Fa. Nikolaus Dierig - Überlingen a. B. renoviert, neu bleiverglast und eine Außenverglasung angebracht. Die elektrischen Anlagen erfuhren durch die Firma Hans-Heinz Matt, sowie für das Läutwerk und die Turmuhr durch Fa. Hörz -Ulm, eine Neuinstallation.

In den Jahren 1989 bis 1993 erfolgte eine gründliche Außenrenovierung des Turmes und Kirchengebäudes.

Dank allen Spendern und Helfern!

 

Das Äußere der Pfarrkirche

Der Turm ist über dem Hauptportal aufgebaut und bewirkt zusammen mit dem zierlichen Dachreiter über dem Chorbau ein schönes Maßverhältnis im Äußeren der Kirche. Im Dachreiter ist die kleine Wetterglocke untergebracht. Das Geläute im Turm besteht aus sechs Stahlglocken, die im Jahre 1949 vom Bochumer Verein in Bochum gegossen worden sind. Die Glocken haben ein Gesamtgewicht von 12236 kg und klingen in den Tönen h-d-e-fis-a-h.

Die Richtung der Kirche nach Nordwesten entgegen der sonst üblichen Ostung ist von der früheren Kirche übernommen worden, bedingt durch die vorbeiführende Straße. Im Friedhof befinden sich zwei Statuengruppen aus Savonier-Stein. Sie wurden 1896 aufgestellt und sind Werke des Bildhauers Matt in Bregenz. Auf der Nordseite die Ölberggruppe, auf der Südseite die Pieta`, letztere gestiftet von den Kirchenbaumitgliedern. Der Friedhof wurde im Sommer 1999 von der Leichenhalle erweitert, die Friedhofsmauer und der Eingangsbereich im Jahr 2000 erneuert. Es entstand eine Urnenwand, bei der das alte Missionskreuz einen neuen Platz gefunden hat.

Die Ausstattung und Ausmalung der Kirche

Die Eingangshalle ist als Kriegergedächtnisstätte gestaltet: Dreiseitig angeordnet befinden sich oben ein Deckenfries mit den Namen der Gefallenen des ersten Weltkrieges und  in Augenhöhe seit 1970 die Namen der Gefallenen und Vermissten der zweiten Weltkrieges. Sämtliche Holzschnitzarbeiten stammen aus den heimischen Werkstätten Hans Ebert, Walter Pretzl und Otto Birkenbach. Die Fresken der Vorhalle malte 1937 Prof. Waldemar Komsperger – München; rechts der hl. Georg, links der Erzengel Michael und der hl. Sebastian. Die in Steine eingemeißelten Jahreszahlen erinnern an den Kirchenbau 1491, an die Barockisierung und Vergrößerung 1684 und 1720 sowie an die Grundsteinlegung zum jetzigen Gotteshaus 1890. Die Jahreszahl 1892 auf dem Fußboden erinnert an die Vollendung der Kirche.

Betreten wir den neuromanischen Kirchenraum, so fällt uns sofort die überreiche Ausmalung auf. Geschaffen wurde sie 1903 und 1904 von Prof. Martin von Feuerstein – München, und seinen Schülern der Meisterklasse, (Theodor Baierl, Franz Xaver Dietrich, Georg Kau) weshalb die Kirche ein wahres Feuerstein-Museum genannt werden könnte. Ein einheitlicher Gesamtplan umfasst sowohl den in Kaseintechnik ausgeführten figuralen wie den ornamentalen Teil der Bemalung und beinhaltet das Mitwirken Marias an der Erlösung. Sie ist vorgebildet in den alttestamentlichen Vorfahren und vollendet in der Krönung Marias durch Christus. Die zwölf gewaltigen Fresken an den Seitenwänden des Langhauses stellen heilsgeschichtlich wichtige Vorfahren Mariens dar: Adam, Noe und Abrahahm - dem der Künstler die Gesichtszüge des damaligen Pfarrers Julian Längle gab; dann Jakob, David und Salomon. Links vom Eingang: Eva, Sara, Rebekka, Rachel, Rahab und Ruth. Diese Fresken wurden in Kreisen der Kunstkritik als bahnbrechend gewürdigt.

Unter diesen alttestamentlichen Figurenbildern finden sich gemalte Kreuzwegstationen – eine Kopie nach dem Kreuzweg in der St. Anna-Kirche – München. Die oranamentale Architekturmalerei der Wände und des weiten Flachgewölbes wurde durch den Kirchenmaler Engelbert Luger – Dornbirn in Zusammenarbeit mit Martin von Feuerstein ausgeführt und besonders im Chorraum von Restaurator Kurt Scheel 1975 ergänzt. Den Schmuck des Chorplafonds bildet das Lamm Gottes mit den Evangelistensymbolen, während das Mittelstück des Chorbogens eine Darstellung des Hl. Geistes in Spruchbändern zeigt. Der linke Chorbogen zeigt das von Franz Xaver Dietrich gemalte Bild von Mariä Verkündigung, der rechte Chorbogen das zweite Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes, „Mariä Heimsuchung“, von Theodor Baierl.

Überaus lebensvoll mutet das Gemälde der Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten und die hl. Drei Könige auf der linken Chorwand an. Der Künstler Georg Kau gab dem hl. Josef die Gesichtszüge seines Meisters Feuerstein und einen der Hirtenknaben bildete er seinem Sohn nach. Gegenüber an der rechten Chorwand ist Maria als die Schmerzensmutter dargestellt. Martin von Feuerstein hat das Werk signiert – wohl seine bedeutendste Schöpfung überhaupt. Besonders auffällig und den ganzen Chorraum beherrschend ist das Monumentalgemälde in der Apsis über dem Hochaltar. Es ist nach der Anleitung Feuersteins von Franz Xaver Dietrich geschaffen worden und stellt in reicher Verwendung von Goldfarbe “Maria Krönung im Himmel” unter freudiger Anteilnahme der Engel dar. Xaver Lutz schrieb im „Kunstfreund für Tirol und Vorarlberg“1906: „ in vollen, nimmer ausklingenden Akkorden feiern sie die Vollendung des Lebens Mariens.“ Diese Vollendung durch die Krönung Mariens ist die Frucht jener Ganzhingabe in den Dienst Gottes, welche schon in der Kindheit Mariens begonnen hat und als „Maria Opferung“ auf dem Hochaltarbild dargestellt ist. Gemalt wurde das Bild von Josef Reich – Bizau/ Wien. Der figurale Teil des Hochaltars stammt von seinem Bruder, Bildhauer Alois Reich – Bregenz: die Statuen St. Ludwig und St. Theodul sowie die Darstellungen von Moses, David, die vier großen Propheten und das apokalyptische Lamm im Antependium.

Die beiden Seitenaltäre aus Eichenholz lieferte die Werkstatt Schlachter – Ravensburg. Der rechte Altar ist dem hl. Josef geweiht und trägt die Statuen des hl. Josef und der Heiligen Georg und Franz von Assisi. Die Pedrella zeigt die Darstellung Maria Trost, beiderseits St. Martin und Wendelin. Gegenüber ist der Herz-Jesu-Altar mit den Statuen des Heilandes mit dem heiligsten Herzen, der hl. Katharina und der hl. Ursula. In der Pedrella die Rosenkranzkönigin mit dem hl. Dominikus und Katharina von Siena sowie Aloisius und Antonius von Padua.

Die Kanzel mit der Darstellung Jesu als Lehrer oben und der vier Evangelisten an der Brüstung ist ein Werk des Künstlers Alois Reich.

Der Taufstein neben dem rechten Seitenaltar trägt die Jahreszahl 1608. Er hat gotische Ornamente mit Übergang zur Renaissance. An den Chorbänken sind zwei Reliefs vom früheren Tabernakelaufbau: rechts Abrahams Erprobung, links Abraham bringt Melchisedek den Zehnten;-Diese hat Otto Schneider 1999 restauriert.

Aus Teilen der früheren Kommunionbank fertigte der Schreiner Erich Türtscher 1994 den Volksaltar. Er birgt im Unterbau Gebeine der Märtyrer der Thebäischen Legion, die der Bischof von Sitten 1890 den Walser Gemeinden zukommen ließ als Zeichen der Verbundenheit mit deren christlichen Ursprüngen in St. Maurice im unteren Wallis.

1999 wurde die Ausstattung ergänzt durch ein Evangeliar-Pult, in das Schreiner Albert Ebert, ebenfalls aus der alten Kommunionbank, die Holzreliefs der abendländischen Kirchenväter: Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor eingearbeitet hat.

Die zwei Glasgemälde im Chor zeigen uns auf der einen Seite Joachim und Anna, auf der anderen Herz –Jesu und Herz-Mariä in Ganzfiguren. Die Fenster im Langhaus zeigen rechts St. Josef und Herz-Mariä als Zuflucht der Bedrängten und gegenüber den Guten Hirten und die Unbefleckte Empfängnis Mariä. Die übrigen Fenster enthalten je zwei Medaillons mit den Brustbildern der zwölf Apostel sowie der Namenspatrone der jeweiligen Stifter. Sämtliche Fenster sind durch Martin von Feuerstein entworfen worden. Die Außenverglasung stammt von Nikolaus Dierig- Überlingen a. B.

Zu beiden Seiten des Hauptportals befinden sich zwei bedeutende Kunstwerke: das vom Feldkircher Künstler Florus Scheel 1914 geschaffene Bild von Jesu Grablegung und das 1938 entstandene Ölgemälde „Christi Geburt“ von Prof. Kolmsperger-München.

Bemerkenswert noch ein Chor-Nebenaltärchen aus der Mitte des 18. Jh., das als Fronleichnamaltärchen diente. Die gute Restauration ist dem Feldkircher Restaurator Kurt Scheel zu verdanken.

Zum Inventarbestand der Kirche gehört noch eine große Weihnachtskrippe mit Figuren des bekannten Tiroler Bauschnitzers Josef Bachlechner.

Rückwärts erheben sich übereinander zwei Emporen, auf deren oberen die Orgel aufgestellt ist. Sie ist 1892 von der Firma Anton Behmann in Schwarzach gebaut und im Jahre 1964 von Guido Nenninger-München, auf 19 klingende Register erweitert worden. 1997 bis 1999 hat Orgelrestaurator Robert Maag aus Wangen/Allgäu den ursprünglichen Prospekt wiederhergestellt und das Orgelwerk gründlich überholt und auf 20 Register erweitert. Er nennt es stolz sein „Her-zeige-stück“.

 

Texte sind entnommen aus dem “Kirchenführer” - welcher in der Pfarrkirche aufliegt und für 2,5o Euro erworben werden kann.